Beyoncé’s Lemonade-Performance bei den MTV VMA’s 2016

Repräsentation einer starken Frau oder Bedienung alter Klischees?

Die diesjährigen MTV Video Music Awards hatten mal wieder nur ein Thema: der Auftritt von Queen Bey. Beyoncé Knowles performte ein Medley ihrer bekanntesten Songs aus ihrem aktuellen Visual Album „Lemonade“, welches im April diesen Jahres erschien. Mit Songs wie „Sorry“ oder „Don’t hurt yourself“ brachte sie eine Kurzform der Geschichte ihres Albums auf die Bühne – eine Kurzform der Geschichte einer betrogenen Frau, die sich nicht dem typischen Rollenbild einer betrogenen Frau hingibt und ihrem Mann hinterhertrauert, sondern aus dem Klischee ausbricht und Stärke demonstriert. Grund genug für uns, mal näher zu betrachten, ob Beyoncé es hier wirklich geschafft hat, mit alten Strukturen zu brechen und ein neues Frauenbild zu schaffen.

Beyoncé – Performance Lemonade VMA 2016 from Felipe Cavalcante on Vimeo.

Beyoncé’s Performance beinhaltet insgesamt fünf ihrer aktuellen Lieder: „Pray you catch me“, „Hold up“, „Sorry“, „Don’t hurt yourself“ und „Formation“. In diesem Beitrag werden wir uns vor allem auf die Minute 3:57 bis Minute 12:43 konzentrieren, da hauptsächlich dieser Ausschnitt die relevante Thematik behandelt.

Dieser Beitrag betrachtet die Performance von Beyoncé aus der heteronormativen Sicht. Die hier beschriebene Norm, also alles was typisch für Frauen oder Männer ist, gestaltet sich aus der Perspektive von Heterosexuellen. Des Weiteren ist zu beachten, dass der im weiteren Verlauf als ihr „Ehemann“ bezeichnete Mann keinesfalls ihr realer Ehemann Jay-Z ist. Vielmehr handelt es sich hier um einen fiktiven Charakter, zumindest bis Beyoncé sich dazu äußert.

Hold up

Der erste Teil, den wir betrachten, beinhaltet die Performance zu dem Lied „Hold up“ (Minute 4:57 bis 7:20).

Inhalt

In dem Song beschreibt Beyoncé das aufkommende Gefühl des Misstrauens ihrem Mann gegenüber. Sie bemerkt, dass etwas nicht stimmt, da er immer erst sehr spät nach Hause kommt und nach „Geheimnissen riecht“. Daraufhin überprüft sie sein Handy und schaut nach, mit wem er telefoniert hat. Sie betont, dass sie nicht ihren Stolz durch einen Betrug verlieren möchte. Hierfür wäre ihr jedes Mittel recht, sogar eine handgreifliche Auseinandersetzung mit der anderen Frau. Hier wird zum ersten Mal deutlich, dass Beyoncé nicht die typische Frauenrolle einnehmen möchte. Ihre Eifersucht baut sich langsam auf und entwickelt sich zur Wut.

Something don’t feel right because it ain’t right
Especially comin‘ up after midnight
I smell your secrets, and I’m not too perfect
To ever feel this worthless
How did it come down to this? Scrolling through your call list
I don’t wanna lose my pride, but I’mma fuck me up a bitch

Darstellung

Generell tanzt Beyoncé zu diesem Song noch sehr feminin: sie kreist ihre Hüften, bewegt und bewegt sich fließend und bedächtig. In einer kurzen Sequenz wird ihr Tanz, zusammen mit der Musik wilder.

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Abb.1 – Beyoncé’s Tanz wird wilder

Letztendlich endet der Song damit, dass Beyoncé einen Baseballschläger kreisen lässt, ihre Wut sich dabei immer weiter steigert und sie damit die Kamera, die auf sie gerichtet ist, kaputt schlägt. Sie lässt ihre Wut nun ganz offensichtlich raus und ist nun aus der heteronormativen Sicht so gar nicht mehr typisch weiblich.

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Abb.2 – Übergang zu „Sorry“: Beyoncé zertrümmert die Kamera mit einem Baseball-Schläger
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Abb.3 – Übergang zu „Sorry“: Beyoncé läuft von der Kamera weg

Sorry

Der zweite Teil besteht aus dem Auftritt zum Song „Sorry“ (Minute 7:21 bis 10:58).

Inhalt

Beyoncé hat von der Affäre ihres Mannes erfahren und ihn verlassen. In diesem Song will sie ihm beweisen, dass es ihr auch ohne ihn gut geht und sie nicht bereut, gegangen zu sein.

Sorry, I ain’t sorry

Was genau sie von ihrem Mann hält, wird in de folgenden Textstelle deutlich:

Suck on my balls, pause, I had enough

Beyoncé spielt hier mit dem Geschlechterbild. Wenn eine Frau einem Mann sagt, er könne ihre Eier lutschen, ist dies nicht nur ein Symbol für ihre Stärke, sondern auch ihre Männlichkeit. Man könnte meinen, dass sie ihm sagen möchte, dass sie mehr Mann ist, als er. Sie hat nun alle Macht, und vor allem auch Macht über ihn, da sie diejenige war, die ihn verlassen hat. Gleiches verdeutlicht sie auch noch an der folgenden Stelle:

I ain’t thinking ‚bout you
Middle fingers up, put them hands high
Wave it in his face, tell him, boy, bye

Darstellung

Im Gegensatz zu dem sehr starken Ende des vorherigen Liedes tanzt Beyoncé hier wieder weiblicher. Sie lächelt und demonstriert das „Whatever“-Gefühl, welches auch in den Lyrics rüberkommt. Trotzdem werden einige ihrer Tanzschritte auch betont hart und zackig ausgeführt (zum Beispiel Minute 9:13 bis 9:27). Hier bekommt man wieder den Eindruck einen sehr starken Frau.

Don’t hurt yourself

Im dritten Teil performt Beyoncé zu „Don’t hurt yourself“ (Minute 10:59 bis 13:36). Inhaltlich und auch in ihrer Darstellung ist Beyoncé hier auf dem Höhepunkt ihres Feldzuges gegen ihren Mann angekommen.

Inhalt

In „Don’t hurt yourself“ macht Beyoncé klar, dass ihr Mann es bereuen wird, sie so behandelt und betrogen zu haben.

Who the fuck do you think I am?
You ain’t married to no average bitch, boy
You can watch my fat ass twist, boy
As I bounce to the next dick, boy

Sie macht ihm außerdem bewusst, dass sie nicht abhängig von ihm ist. Sie kann ganz leicht einen anderen (besseren) Mann finden. Des Weiteren verdient sie ihr eigenes Geld und ist somit auch finanziell nicht von ihrem Mann abhängig. Eventuell ist es sogar besser für sie, wenn sie ihr Geld nicht mit ihm teilen muss und es ganz für sich nutzen kann. Im Jahr 2016 beträgt Beyoncé’s Nettovermögen 265 Millionen US Dollar.

And keep your money, I got my own
Keep a bigger smile on my face being alone

Die Performance endet mit folgendem Satz:

Tonight I’m fucking up all your shit, boy

Genau dieses Gefühl hat auch der Zuschauer nach dem Ansehen des Auftrittes. Beyoncé hat Stärke demonstriert und somit ihren Mann „zerstört“.

Darstellung

Auch in ihrer Performance erreicht Beyoncé’s Abrechnung hier ihren Höhepunkt. Sie läuft in einem für männliche Rapper typischen Gang (ein Bein lässig hinterherschleifend) über die Bühne, gestikuliert wild mit den Händen, greift sich in den Schritt und schlägt die Kamera weg. An dieser Stelle demonstriert sie noch einmal vermeintliche Männlichkeit und Stärke im höchsten Maße.

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Abb.4 – Don’t hurt yourself: Beyoncé schlägt die Kamera weg

Kontroversen

Obwohl Beyoncé mit ihrem Auftritt bei den MTV VMA’s 2016 vor allem zeigen wollte, dass sie eine starke Frau ist, die jedem Mann das Wasser reichen kann, ist dies nur in Teilen gelungen.

Erscheinung

Bey trägt ein für sie sehr typisches Bühnenoutfit: Einen Body, der zwar hochgeschlossen, jedoch aber durchsichtig ist, so dass auch ihre Unterwäsche durchscheint. Der Body ist im Schritt sehr hoch geschnitten, weshalb ihr berühmter Po auch stark in Szene gesetzt wird. Zudem tanzt sie während ihrer Performance hauptsächlich sehr lasziv und spielt hierbei stets mit ihren weiblichen Reizen. All dies ist konträr zu dem Bild, das sie vermitteln möchte. Sie stellt weiterhin eine begehrenswerte Frau dar, die jeder Mann gerne an seiner Seite hätte und jede Frau gerne wäre. Ihre Performance wird aus der männlichen Sicht, dem Male Gaze, inszeniert. Sie wird dabei zum Objekt der Begierde.

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Abb.5 – Beyoncé während ihrer Performance zu „Hold up“
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Abb.6 – Beyoncé während ihrer Performance zu „Hold up“
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Abb.7 – Beyoncé während ihrer Performance zu „Don’t hurt yourself“

Gewalt als eine Form von Stärke

Beyoncé demonstriert ihre Stärke vor allem in der Darstellung von Gewalt: das Zerschlagen der Kamera mit dem Baseballschläger, das aggressive Tanzen und das Wegschlagen der Kamera. Es ist fraglich, ob Stärke immer bedeutet, dass man gewalttätig wird. Viel stärker wäre doch zum Beispiel, wenn sie (wie teilweise in „Sorry“) ihr Leben geniesst, obwohl ihr Mann sie betrogen hat, nämlich weil sie (nach außen) stark und es ihr (scheinbar) egal ist.

Des Weiteren stellt Beyoncé durch ihre Gewaltausbrüche den Stereotyp der „Furie“ dar. Als Furie bezeichnet man nicht nur eine griechische Rachegöttin, sondern auch Frauen, die stets aggressiv und streitsüchtig sind. Früher wurden starke Frauen, die ihre Meinung äußerten, von Männern so bezeichnet, um sie klein zu halten. Auch diese Assoziation lässt Beyoncé nicht positiv darstehen.

Letztendlich bedient sich Beyoncé in ihrer Performance lediglich alter Stereotype. Männlichkeit, die für Stärke stehen soll, äußert sich in Gewalt – soll dies also bedeuten, dass Männer nur stark sind, wenn sie auch gewaltbereit sind?

Fazit

Man kann darüber streiten, ob Beyoncé’s Ansatz eine starke Frau zu repräsentieren bei ihrer Performance bei den VMA’S 2016 gelungen ist. Trotz verschiedener Kontroversen ist ihre Performance jedoch sehr beeindruckend und regt auch die Masse zumindest zum Nachdenken an.

– Geschrieben von Mariska Benson

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